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Der Kandelmarsch schreitet auf sein Jubiläum zu

100 Jahre Tradition dürfen nicht unbemerkt vorübergehen: Das Abschlussfest der Esslinger Studierenden läuft im Juli 2022 ein wenig anders ab.

Mitgehen ist wichtig: Mit dem traditionellen Kandelmarsch sagen Esslinger Studierende nach ihrem Abschluss der Hochschule „Lebewohl“. Archivfoto: Roberto Bulgrin

Normalerweise stehen sie mit beiden Beinen fest auf der Erde. Doch an diesem Tag bekommen sie immer nur einen Fuß auf den Boden: Esslinger Absolventinnen
und Absolventen aller Fakultäten verabschieden sich seit 1922 mit dem Kandelmarsch von der Hochschule. Die Veranstalter möchten diese Tradition natürlich am Laufen halten – doch zum 100-jährigen Jubiläum soll in diesem Jahr auch einiges anders ablaufen.
Ein Bein auf der Straße, ein Bein auf dem Gehweg – so marschieren sie in Frack, Zylinder, Festtagsgewand und mit Leitern durch die Esslinger Straßen. Der Tross zieht vom
Campus Stadtmitte durch die Altstadt von Esslingen und wieder zurück zum Campus.
In früheren Jahren, so erzählt Jörg Eisinger vom veranstaltenden Verein „Kandelmarsch“, gingen in der Regel etwa 300 Absolventinnen und Absolventen auf diese unbequeme,
aber traditionsreiche Art am letzten Freitag im Juli durch die Esslinger Straßen. Doch in diesem Jahr rechnet er am Freitag, 29. Juli, mit bis zu 500 Teilnehmenden. Schließlich kämen ja die Abschlussjahrgänge der vergangenen beiden Jahre hinzu, in denen der Kandelmarsch coronabedingt abgesagt werden musste.
Zum Jubiläum hätten sich aber auch bereits viele Ehemalige angemeldet – darunter Menschen, die ihren Abschluss an der Hochschule Esslingen vor 60 Jahren gemacht hatten. Jubilare dürften aktiv beim Kandelmarsch mitgehen, berichtet Mitorganisator Jörg Eisinger.
Die Organisatoren legten sich jedes Jahr mächtig ins Zeug für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Denn diese sei „einmalig in der deutschen Hochschullandschaft.“
Doch 100 Jahre verpflichten zusätzlich. Darum gibt es in diesem Jahr einige Jubiläums-Specials. Der Umzug wird um Mottowagen erweitert. Sie sollen laut Jörg Eisinger
Motive, Themen und Ereignisse aus der langen Historie aufgreifen. Pferdekutschen werden beim Kandelmarschumzug wieder auf gewohnte Weise für weitere, natürliche
PS sorgen. Zusätzlich wird in diesem Jahr für Ehrengäste extra ein Oldtimerbus aus dem Jahr 1927 gechartert, und Musik gibt es natürlich auch. Mehr möchte Jörg Eisinger zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten: „Wir sind in der Planungs- und Findungsphase. Die Vorbereitungen laufen.“
Gestartet werde um 14 Uhr am Hochschulcampus in der Kanalstraße. Die Umzugsstrecke führt durch die Obertorstraße und das Wolfstor über die Ritter- und Küferstraße
zum Rossmarkt und zum Marktplatz. Dort ist für den 29.Juli eine weitere Festivität angesetzt – das „Estival“ soll als Nachfolger des Zwiebelfestes auch an diesem Tag über
die Bühne gehen. Das lasse sich wunderbar mit dem Kandelmarsch verbinden, erklärt Jörg Eisinger. Gespräche über eine Verknüpfung beider Veranstaltungen würden mit der
Stadt geführt.
Die Organisatoren, der Kandelmarsch-Verein und die sechs Esslinger Studentenverbindungen, gehen optimistisch ans Werk.
Die Pandemie hat ihnen zwei Jahre hintereinander einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch 2022 würden sie den Kandelmarsch gerne auf die Beine stellen. Die
Chancen für eine Durchführung hält Jörg Eisinger für gut: „Alles ist im Freien, und wenn es so vorgeschrieben wird,dann tragen wir eben Maske oder setzen andere Hygienevorschriften um.“ Das Wetter werde auf jeden Fall wieder wunderbar werden: „Denn hier haben wir ja einen gut funktionierenden Deal mit Petrus.“

Quelle: Esslinger Zeitung, Simone Weiß (12. April 2022)